Die ehemalige Kapelle im Ortsteil Weiher der Gemeinde Viereth-Trunstadt
Die Geschichte der ehemaligen Kapelle in Weiher
Eine zentrale Aufgabe des Archivpflegevereins ist es, der Geschichte der betreuten Kommunen Platz einzuräumen. Dies geschieht nicht nur mit der Aufbewahrung von Archivgut, sondern auch mit der Veröffentlichung von Beiträgen zu interessanten Themen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins für Kommunale Archivpflege verfassen in regelmäßigen Abständen Beiträge zu Archivfunden, geschichtlich bedeutenden Gebäuden oder bekannten Persönlichkeiten der betreuten Gemeinden. Auf diese Weise entstand im letzten Jahr ein besonders spannender Beitrag zur Geschichte der ehemaligen Kapelle im Ortsteil Weiher der Gemeinde Viereth-Trunstadt.
Am 5. November 1849 erschien der Bevollmächtigte Michael Sauer des Gemeindeteils Weiher beim Landgericht Bamberg und übergab einen Bauplan für eine Kapelle, die in Weiher errichtet werden sollte, und bat um die polizeiliche Erlaubnis. Die Kosten für den Bau sollten, so sagte er, durch freiwillige Beiträge der Gemeindeteile aufgebracht werden. Dem lag ein Schreiben des Pfarramtes Trunstadt vom 5. Mai 1843 bei: „Die Gemeinde Weiher ist gesonnen, im Dorfe Weiher eine Bethkapelle zu bauen. Hierzu gibt man diesseits die volle Zustimmung, jedoch unter der Beschränkung, daß der in dem Bauplan aufgenommene Altar, als ganz unnöthig und zwecklos, wegzubleiben habe.“ Die Kapelle sollte ein Ort zum Beten werden, aber kein Platz an dem Gottesdienste oder Eucharistiefeiern abgehalten werden sollten. Die Kosten beliefen sich insgesamt auf 423 fl[orin]. Die Baukosten teilten sich auf in
• Maurer- und Steinhauer Arbeiten 329 fl[orin] 7 kr[euzer]
• Zimmer Arbeit 22 fl[orin]
• Glaser Arbeit 24 fl[orin]
• Schieferdecker Arbeit 8 fl[orin] 53 kr[euzer]
• Schreiner Arbeit 23 fl[orin] 40 kr[euzer]
• Schlosser Arbeit 16 fl[orin]
Geweiht wurde die Kapelle der Heiligen Dorothea, der Schutzpatronin der Gärtner, Blumenhändler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Wöchnerinnen und der Neuvermählten. Im Innenraum konnten zehn Gläubige sitzen und zwanzig stehen, was ca. 100 Jahre nach ihrer Errichtung als „untragbarer Zustand“ empfunden wurde. Deshalb gründeten die Weiherer unter dem Ortsvorsteher Johann Schug, er wohnte im Haus Nummer 2, im Januar 1954 einen Kirchenbauverein. Bis Januar 1961 hatten sie ungefähr 5.000 DM gesammelt. Im selben Jahr erteilte man daraufhin dem Kreisbaumeister Hans Fiedler aus Bamberg den Auftrag, Pläne für ein geräumiges Gotteshaus anzufertigen. Es sollte Platz für ca. 80 Sitzplätze und 70 Stehplätze entstehen. Im Frühjahr 1962 brach man die kleine Kapelle schließlich ab. Johann Schug erstellte mit freiwilligen Helfern auf dem gleichen Platz einen Rohbau mit Glockenturm. Im September 1962 feierte man das Richtfest und am 26. Mai 1963 fand die feierliche Weihe der neuen Kirche statt. Kurat Ludwig Seuffert weihte unter der Assistenz von Pfarrer Fridolin Hegner aus Trunstadt und Karmelitenpater Benedikt Zweier aus Tütschengereuth das Gotteshaus ein. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 50.000 DM. Einen Anteil in Höhe von 16.000 DM wurden durch Sammlungen eingenommen, die noch verbleibenden 34.000 DM kamen durch Eigenleistung, Materialschenkungen Weiherer Bürger oder Geschäftsleuten des Umlandes zusammen. Die Kirchenbänke fertigten die Weiherer aus in ihrem Wald geschlagenen Fichten selbst an. Im Glockenturm hängen zwei große Glocken: die Größere, der Heiligen Anna geweiht, wurde 1903 durch Michael und Anna Bayer gestiftet; die Kleinere aus dem 18. Jahrhundert wurde während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen und 1951 durch eine Neue ersetzt, die der Heiligen Dorothea geweiht wurde. Im Herbst 1971 baute man – ebenfalls in Eigenleistung – eine Sakristei mit Beichtkammer an. Die Innenausstattung besteht zum Teil aus drei Figuren aus der früheren kleinen Betkapelle: Maria mit dem Kinde, die Kirchenpatronin Heilige Dorothea und der Heilige Jakobus als Verbindungsfigur zur Kirchengemeinde Viereth. 1972 wurde durch den Kunstschmiedemeister Ewald Müllich aus Viereth ein Tabernakel angefertigt, das man in die rechte Chorwand einließ. Pfarrer Werner Bogatschef (er war von 1970–2006 Pfarrer in Viereth) verpflichtete sich, einmal in der Woche mit den Einwohnern von Weiher eine Abendmesse zu feiern. Die Organistendienste an der von der Gemeinde Viereth gestifteten elektrischen Orgel versah bis in die 1980er Jahre hinein Johann Schug, der Initiator des Kirchenbaus.
In den 1980er Jahren war die Mesnerin Eva Schmitt aus dem Haus Nummer 9 in Weiher. Sie sorgte für Blumenschmuck und Sauberkeit, aber auch der Ausbau der Innenausstattung erfolgte auf ihre Anregung, wie die Paramente und kirchlichen Gegenstände für die Eucharistiefeier. Die Kirche ist die „Ortskirche von Weiher“ und befindet sich im Besitz der politischen Gemeinde Viereth. Seit Beginn der 1980er Jahre fehlt eine Kirchenstiftung mit selbstständiger Kirchenverwaltung und die benötigten Gelder zum Unterhalt werden durch Spenden aufgebracht.