Für den Notfall gerüstet sein (14.10.2025)
Notfallübung am 14.10.2025 auf dem Domplatz
In den Kommunalarchiven des Landkreises Bamberg lagern viele Schätze und Unterlagen aus der Vergangenheit, die es nur einmal gibt. Ihr Verlust wäre eine Katastrophe für die Überlieferungsgeschichte der Orte im Landkreis Bamberg. Man muss bei Notfällen nicht immer an besonders schwere Großschadensereignisse wie beispielsweise die Ahrtalflut aus dem Jahr 2021 denken. Besonders in Folge des Klimawandels nehmen auch örtlich begrenztere oder kleinere Schadensereignisse zu (beispielsweise durch Starkregen), die zur Gefahr für kleinere Kommunalarchive werden können. Um sich in Notfällen gegenseitig zu helfen, nimmt unser Verein seit 2022 als Gast an den Sitzungen und Treffen des 2019 gegründeten Notfallverbunds Bamberg teil. Hierfür bringt sich unsere Mitarbeiterin Frau Spies vollumfänglich in Planungsprozesse ein und wirkt als Vertreterin regelmäßig an den Begehungen der Arbeitsgemeinschaft mit. So konzipierte sie zusammen mit der Restaurierungsfirma Schempp maßgeblich eine Notfallübung auf dem Bamberger Domplatz, die im Oktober 2025 stattfand, um den Ernstfall zu erproben. Simuliert wurden zwei Szenarien: einmal ein Großschadensereignis, bei dem die Archivalien lange Zeit unter oder im Wasser standen, sowie einmal ein Wasserrohrbruch, bei dem die Unterlagen durch von oben herablaufendes Wasser durchnässt wurden. Keine Angst – das Demonstrationsmaterial bestand ausschließlich aus nicht archivwürdigen Unterlagen oder Dupletten, die bereits für eine Kassation vorgesehen und freigegeben waren.
Die auf Kulturgutrettung und Bestandserhaltung spezialisierte Fachfirma von Norbert Schempp aus Kornwestheim übte mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Kulturinstitutionen der Stadt Bamberg und ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Archivpflegevereins die Abläufe einer Notfallbergung. Die mit Schutzausrüstung ausgestatteten Teilnehmenden simulierten den Ernstfall, um Abläufe einzuüben, aber auch um Verbesserungspotentiale in den eigenen Notfallplänen aufzudecken. Eine erste Erkenntnis war, dass nass gewordenes Papier um ein Vielfaches schwerer wird. Das durchnässte Papier musste händisch in Boxen gelegt und zu den Reinigungsstationen getragen werden, wo es gesäubert, dokumentiert und in Stretchfolie verpackt wurde. Anschließend wurde das eingeschlagene Archivgut in Kisten verpackt und auf Paletten zum Abtransport gestapelt. Im Notfall würden wassergeschädigte Unterlagen im Anschluss schockgefroren, um sie später bei Spezialfirmen mittels des Prozesses der Gefriertrocknung zu trocknen und wieder nutzbar zu machen. Bei einem tatsächlichen Ernstfall geht es vor allem um Zeit und Geschwindigkeit. Innerhalb von 24 bis maximal 48 Stunden sollten die Unterlagen geborgen, verpackt und schockgefroren sein, da sonst das Risiko einer Schimmelausbreitung besteht. Die Notfallübung auf dem Domplatz lief insgesamt sehr erfolgreich ab. So wurden bereits nach kurzer Zeit erste Routinen in den Handlungsabläufen erkennbar und die Teamfähigkeit sowie Kommunikation unter den Teilnehmenden verbesserte sich.