KEK-Förderantrag Reckendorf 2023

Stefan Kühl • 29. Juli 2026

15.000€ zur Restaurierung der Ratsprotokolle

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins für Kommunale Archivpflege im Landkreis Bamberg stehen ihren Gemeinden über ihre alltäglichen Aufgaben hinaus auch in Restaurierungsfragen und Fördergeldakquise zur Verfügung. Einen besonderen Erfolg erzielte das Gemeindearchiv Reckendorf im Jahr 2023, als insgesamt 15.000€ an Fördergeldern eingeworben werden konnten. Das Gesamtprojekt in Höhe von 30.000€ wurde durch das Sonderprogramm des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) gefördert, das durch die KEK (Koordinierungsstelle für den Erhalt schriftlichen Kulturguts) betreut und ausgeschrieben wird. Das Förderziel lag in der Wiederherstellung der Reckendorfer Gemeinderatsprotokolle des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Da die Reckendorfer Gemeindeprotokolle jahrelang klimatisch unzureichenden Bedingungen ausgesetzt waren, befanden sie sich in einem desolaten Zustand. Den Protokollbüchern ihre ursprüngliche Form zurückzugeben und den Quellenbestand einwandfrei wiederherzustellen, stand im Vordergrund des Projekts im BKM-Sonderprogramm. Die Protokolle zeugen in einzigartiger Weise vom Leben in der oberfränkischen Gemeinde. Sie bestechen durch ihre lückenlose Vollständigkeit (ab 1816) sowie die Dokumentation jüdisch-christlichen Zusammenlebens. Die jüdische Gemeinde machte im 19. Jahrhundert annähernd 30% der Dorfbevölkerung aus, sodass neben einer jüdischen Schule, einem jüdischen Friedhof und einer Mikwe auch eine Synagoge entstand, deren Bausubstanzen heute noch bewundert werden können. Die jüdische Vergangenheit Reckendorfs ließ den Ruf nach einer Restaurierung der zerfallenden Quellenbestände laut werden, um einem dauerhaften Verlust vorzubeugen. Über die Gemeindeprotokolle hinaus bestehen weiterhin Kontakte zu jüdischen Emigrantinnen und Emigranten sowie dessen Nachfahrinnen und Nachfahren, die hauptsächlich im 19. Jahrhundert von Deutschland in die USA ausgewandert sind und bis heute eine tiefe Verbundenheit mit ihrem Geburts- oder Heimatort und dessen Geschichte verspüren. Eine nachfolgende Digitalisierung und optimale Lagerung der Objekte soll zur Schonung und dauerhaften Erhaltung dieses wertvollen Kulturguts beitragen. Zurzeit werden die Protokolle im Dachgeschoss des Baunacher Rathauses (Bamberger Str. 1, 96148 Baunach) ausgestellt.[1]


 
[1] Für weitere Informationen siehe den KEK-Eintrag: https://www.kek-spk.de/projekt/reckendorfer-gemeindeprotokolle-restauriert.


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